Ein Roundup (Juli 2014)

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Ein Roundup:

Wir sind in letzter Zeit viel damit beschäftigt, tierrechtstheoretische Übersetzungen zu verfassen und haben weniger Zeit für vegane Infos. Das heißt aber nicht, dass wir uns nun als fertige Veganer_innen fühlen, die meinen, da gäbe es nichts mehr zu bloggen über das Vegansein.

Hauptsächliches Ziel unserer veganen Infos soweit ist es gewesen, veganen Newbies das Wichtigste mit an die Hand zu geben. Wenn man die ersten Hürden eines veganen Alltags dann bewältigt hat – sprich: sich in zahlreichen lebensalltäglichen Dingen neuorganisiert hat – dann bleibt man meist nicht dabei, immer „ausschließlich“ über vegane Basics zu sprechen und man kann seinem moralischen Interesse nachgehen, sich nun mehr mit den tierrechtspolitischen Aspekten des Veganismus und allgemeinen ethischen Hintergründen zu befassen.

Letztendlich wollen wir ja die Welt verbessern (für die Nichtmenschen, für die Umwelt – uns alle) und der Veganismus ist so natürlich der erste Trittstein, der für diese zeitgemäße, dramatisch überfällige Veränderung begangen werden sollte.

Genau für diejenigen Menschen also, die sich in dem Stadium befinden, weiter als bis zu Ernährungs- und Lifestyle-Fragen im Veganismus zu schauen, wollen wir eine Sammlung an neuen Tierrechtstexten auf einer Open Access-Basis bereitstellen.

Soweit möchten wir Euch in dieser Hinsicht folgende unserer Text-Ressourcen empfehlen:

Öko-Feminismus

  1. Karen Davis: Wie ein Huhn zu denken: Farmtiere und die feminine Verbindung
  2. Vasile Stanescu: Warum es nicht genügt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik

Menschenrechtsfragen und Tierrechte/Tierbefreiung

  1. Texte von Amie Breeze Harper, über Veganismus und den rassismuskritischen Ansatz
  2. Anastasia Yarbrough, eine Präsentation die sie bei der Sistah Vegan Conference 2013 hielt über kritisches Weißsein und Tierbefreiung
  3. Kim Socha: Die „gefürchteten Vergleiche“ und der Speziesismus: Eine Ausgleichung der Leidenshierarchie über die Problematik der Vergleiche zwischen: Holocaust, Sklaverei, Zoozid
  4. pattrice jones: Intersektionalität und Tiere, eine gute Einleitung in die intersektionale Praxis in den Tierrechten/der Tierbefreiung.

Umweltschutz und Tierrechte/Tierbefreiung

  1. Vasile Stanescu: Das „Judas-Schwein“: Wie wir „invasive Spezies“ unter der Vorgabe des „Naturschutzes“ töten
  2. Anthony J. Nocella II: Eine Konfliktanalyse innerhalb der Umwelt- und der Tierrechtsbewegung: Reflektionen über die Allianzenpolitik in der Praxis

Wie wir unsere Beziehung zu den anderen-als-menschlichen Tieren grundsätzlich bilden

  1. Richard Ryder: Darwinismus, Altruismus und Schmerzfähigkeit
  2. Jim Sinclair: Wenn du etwas liebst, tötest du es nicht
  3. Lori Gruen: Sollten Tiere Rechte haben?

Kreativität und affirmative Tierethik

A. Marie Houser: Literaturkörper: Erzählliteratur ist Aktivismus

Veganer Konsumerismus und Tierrechte/Tierbefreiung

Sich vegan engagieren. In Richtung Marktwirtschaft oder Ethik?

 

 

 

 

 

 

 

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Svarteskerm: christlicher Punk und Veggieism als Teil der Liebe zur Schöpfung

Elof von der schwedischen christlich ausgerichteten Punkband Svarteskerm erzählte uns von ihrer Einstellung über die Ethik des Veganismus und Vegetarismus:

Für uns als Band die sich von den Lehren Jesu inspiriert fühlt, spielt Mitfühlsamkeit eine ganz zentrale Rolle. Wie bilden wir als Menschen (auf individueller Ebene und innerhalb der Gemeinschaft) unser Mitgefühl und wie arbeiten wir weiter daran? Vegetarismus/Veganismus ist eines der Dinge, von denen wir überzeugt sind, dass sie unser Mitgefühl wachsen lassen. Wie kannst du den Schöpfer achten wenn du die Schöpfung mishandelst?

Nicht alle unserer Mitglieder sind vegan/vegetarisch, doch alles befindet sich in einem Prozess des Wachstums an Mitgefühl gegenüber Gottes Schöpfung.

Für uns ist es wichtig Menschen nicht zu beurteilen, sondern sie zu inspirieren und ihnen dabei zu helfen, ein mitfühlsameres Leben zu führen. Wenn einer durch unsere Musik ganz aufhört Tierprodukte zu verzehren, und ein anderer damit anfängt sich einen vegetarischen Montag einzurichten, dank unserer Musik, dann sind wir froh, dass wir etwas gutes bewirken konnten. Auf jeder Reise gibt es einen ersen Schritt und einen zweiten, und schließlich einen huntertdereizehnten … . Wir können nur dabei helfen, dass Menschen einen (kleinen oder großen) Schritt tun, wir können sie nicht total verändern.

Und in diesem Sinne muss gesagt werden: Fleisch zu essen ist sowohl dumm, grausam, egoitsisch und schädllich (für die Tiere, die Schöpfung, die Menschen, dich selbst), also hört einfach auf es zu tun!

Svarteskerm – Maktlös

Connect via

Bandcamp: http://svarteskerm.bandcamp.com/
FB: https://www.facebook.com/pages/Svarteskerm/36537262026

Um die Frage endlich mal konstruktiv zu klären: Gary Francione über PETA und deren Euthanasierate

Immer wieder herrscht Verwirrung darüber: töten PETA USA unnötig Tiere oder nicht? Und wenn ja, ist es irgendwie gerechtfertigt oder nicht? Usw. usf.

Zur entgültigen Klarstellung bei dem Wust an Misinformation und damit dieser Streit endlich mal zu einer vernünftigen Lösung kommt, sollten all diejenigen, die das Thema wirklich interressiert, sich mal diesen Text von Prof. Gary Francione durchlesen und sich dann mal selbst über die No-Kill Bewegung in den USA informieren.

Acht Tiere

Übersetzung eines Blogeintrags von der Webseite Prof. Gary Franciones vom 10. März 2010: Eight Animals, http://www.abolitionistapproach.com/eight-animals/#.UvU16WJdXTr

Übersetzung ins Deutsche: Tom Bismuth @veganwerden. Mit der freundlichen Genehmigung von Gary Francione.

Liebe Kollegen:

In den AOL Nachrichten war heute ein Artikel zu lesen mit dem Titel: ‚PETAs Euthanasierate bringt Kritiker zum Verzweifeln’: ‚PETA’s Euthanasia Rates Have Critics Fuminghttp://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/petas-euthanasia.pdf

Der Bericht erklärt, dass PETA:

[…] mehr als 90 Prozent der an sie in ihrem Haupsitz in Norfolk Virginia übergebenen Hunde und Katzen euthanasiert. Im Jahr 2009 schläferte PETA 2,301 Hunde und Katzen ein – 97 Prozent der Tiere die zu ihnen gebracht wurden – und sie vermittelten nur acht Tiere weiter zur Adoption, nach Angaben der Behörden in Virginia. Und die Rate dieser Tötungen hat sich gesteigert. Innerhalb des Zeitraums von 2004 bis 2008 hat PETA seine Euthanasie um 10 Prozent gesteigert.

Ich habe mir die Dokumente angesehen, die PETA beim Virginia Department of Agriculture and Customer Services eingereicht hat und fand die Angaben des Artikels aus den AOL Nachrichten dort bestätigt. PETA tötete 681 Hunde und 1620 Katzen. PETA tötete auch 51 „andere Haustiere“.

Das ist eine Gesamtzahl von 2352 Tieren.

Und PETA vermittelte acht Tiere zur Adoption. Acht Tiere.

Das ist eine Schande. „Euthanasie“ ist ein Tod im Interesse des euthanasierten Menschen oder Nichtmenschen. Euthanasie liegt niemals im Interesse eines gesunden Lebewesens.

PETA teilt offensichtlich Peter Singers Anschauung, dass ein relativ schmerzloser Tod nichtmenschlichen Tiere keinen wirklichen Schaden zufügt, da, ungleich zum Menschen, die meisten Tiere nicht über ein Selbst-Bewusstsein verfügen und nicht erfassen können, was es bedeutet „ein Leben zu haben“. Um ein Interesse an deiner fortgesetzten Existenz zu haben musst Du ein Mensch sein. So wurden diesen 2352 Tieren, die PETA getötet hat, nicht wirklich ein Schaden zugefügt. Diesen Tieren war ihr Leben ja sowieso egal. Nichts wurde ihnen genommen als man sie tötete.

Was für ein vollständiger, speziesistischer Unsinn.

Dem Economisch Research Institute ( http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/economic-research.pdf ) zufolge vefügt PETA über ein Einkommen von 31.053.316 Millionen Dollar und Vermögenswerte in einer Höhe von 19.759.999 Millionen Dollar.

Wie viel diesen Geldes wurde für Adoptionsprogramme aufgewendet?

Wie viele der mit PETA in Assoziation stehenden Berühmtheiten werben für die Adoption der Tiere bei PETA, statt sich zu entkleiden und „nackt zu gehen“ für die Popularität, die unerschöpfliche Publicity und die Unterstützungskampagnen PETAs?

Acht Tiere? Man würde denken, dass allein die Büroangestellen mehr als diese Anzahl hätten adoptieren können.

Bringen sie dies nun mal zusammen mit PETAs Sexismus (http://www.abolitionistapproach.com/exploiting-exploitation/) und damit, dass PETA Schlachthausdesignern (http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/to-slaughterhouse.pdf) und Supermarktketten die „Happy Meat“ und Tierprodukte verkaufen Preise verleiht (http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/grocery-chains.pdf ). Es wird einem klar, dass PETA nichts als ein Witz ist, wobei, für die Tiere ein furchtbar tragischer.

Gary L. Francione, 2010.

P.S. Hinzugefügt am 11. März 2010

Gestern Abend schrieb ich folgenden Kommentar auf Twitter:

Temple Grandin erklärt, dass sie „humane“ Einrichtungen bei PETA errichten will um die Tötung tausender „geretteter“ Tiere besser erledigen zu können.

Dies war selbstverständlich gedacht um die Tatsachte zu parodieren, dass PETA Grandin einen Preis verliehen hat und, dass sie sie als eine „Visionärin“ bezeichnen für die Errichtung von Schlachthäusern die PETA lobt.

Eine beachtliche Anzahl von Leuten dachte, dass dieser Kommentar ernst war. Ich finde es erstaunlich, dass PETA sich so weit in die Richtung Tierausbeutung bewegt hat, dass Leute glauben mussten dieser Kommentar sei ernst. Das lässt viel von einer Verwirrung erkennen, die in einer Bewegung herrscht, in der „Tierrechte“ bedeuten, dass „wir 2300 Tiere aufnehmen und alle außer 8 töten.“

Zudem habe ich dies auf Twitter geschrieben:

Der Sender HBO will seine Dokumentation über PETAs Ingrid Newkirk umbenennen von „Ich bin eine Tier“ zu „Ich bin ein Tiere (aber nicht eines derer, die wir ‚retten’ und töten).“

Das was ebenso als zynischer Scherz gemeint, obwohl, es könnte ja möglich sein.

(Alle Links: letzter Zugrifff am 7 . Februar 2014.)

Wir haben Per Aspera zu veganer Ethik und intersektionalen Grundlagen befragt

Wir haben Per Aspera aus Chicago, Illinois, über ihre Gedanken zum Veganismus, zur Gegenwart und einer zu einer möglichen Zukunft effizienter veganer Intersektionalität gefragt

Per Aspera Gitarrist Nicholas Schmidt erklärte uns:

Zu Anfang müssen wir sagen, dass wir fest davon überzeugt sind, dass es zutiefst unmoralisch ist, die Tötung, Gefangenhaltung, den Missbrauch und die Folter von Lebewesen zu unterstützen und/oder durchzuführen. Das bezieht sich nicht nur auf unsere Brüder und Schwestern der Spezies Homo sapiens, sondern auf alle fühlenden Lebewesen.

Die fundamentale Logik, die unserer Entscheidung zugrunde liegt, die tierausbeutenden Industrien nicht zu unterstützen, erfordert explizit von uns, allen Formen systemischer Unterdrückung, die allein dem Interesse der herrschenden Elite dienen, entgegenzustehen. Deshalb ist unsere gemeinschaftliche Opposition gegen den Kapitalismus, den Faschismus, das Patriarchat, den Rassismus und die Umweltzerstörung notwendige Komponente eines verantwortungsbewußsten, ehrlichen und konsistenten Tierschutzaktivismus.

Und ausgehend davon kann man sagen, dass das Engagement in jeglicher Art radikalen politischen Gedankentums oder -Aktion ein erhebliches Maß an sozialem Gepäck garantiert, das eine friedliche und im Großen und Ganzen gütige Bewegung ermutigen kann. Wenn man sich in Opposition zu solchen mainstream- und weitverbreiteten Machtdynamiken organisiert, kann es unwahrscheinlich verleitend sein, sich selbst oder die eigene kleine soziale Clique, der man zugehört, vom Rest der Gesellschaft anzuschlauchen. Die antisoziale Botschaft, die so üblich im Punk und in den linksradikalen Zirkeln ist, leistet dem Versäumnis Vorschub, die Möglichkeit der Organisierung populärer Massenbewegungen wahrzunehmen, die nötig sind um oppressive Insitutionen zu konfrontieren, die durch die ganze Gesellschaft gehen. Zudem bieten diese Tendenzen keine wesentliche Vision und Strategie für eine Gesellschaft, die wir in der Tat auf diesem Planeten schaffen könnten, da der Aktivismus sich häufig auf persönliche Lebensstilentscheidungen reduziert. Ein gewissermaßen zugegeben ironisches Argument einer DIY Punk/Metal Band ist unser Empfinden, dass der andauernde Druck, linksgerichtete Bemühungen von der Arbeiterklassenkultur zu entfremden, denselben kontraproduktien Vorurteilen gleicht, die die sozialen Gerechtigkeitsbewegungen über einen so langen Zeitraum hinweg geplagt haben im Bezug auf Frauen, People of Color [farbige Menschen], die natürliche Welt, und nun, mit zunehmenden Bewusstsein, auch auf unsere nichtmenschlichen Freunde.

Die Befreiung der Mutter Erde von den systemischen Erkrankungen, die wir ihr beigebracht haben, hängt ganz von unserer Fähigkeit ab, andere zu erreichen, Verküpfungen herzustellen und uns mit allen Menschen zu organisieren, die die gleichen Unterdrückungen, in welcher Form auch immer, erleben; und das von unseren eigenen Hinterhöfen und Nachbarschaften aus, bis in der Welt als Ganzes. Nicht wahr?

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Per Aspera – Shikata Ga Nai

We live with the lie that everything dies,
It’s only the spectres we perceive alive.
We personify existence in the natural world,
So we can mourn the proof of our own remorse.

I reject the notion that a desert of pain is the only universe that we have to explain.
As the memories of our families evaporate into space.

The hollow woman kicking blood,
Reminds us what waits in our blood.
As she cries for her slaughtered friends,
The vacuum of space hears no dead ends.

So I will cry when my friends die, and I won’t forget to live,
With passion, vigor, love, and fear of losing all that I hold dear.

Bandcamp: http://perasperapunk.bandcamp.com
Tumblr: http://perasperapunk.tumblr.com
FB: https://www.facebook.com/PerAsperaPunk
Kontakt: perasperapunk [at] gmail [dot] com

Schwangerschaft und Vegansein

Schwangerschaft und Vegansein

Aus dem Vegan*Swines Reader 2013. Quelle: Vegan Society GB, Übersetzung und Bearbeitung: Palang LY Arani-May.

Diese Info bietet nur eine weitläufige Orientierungshilfe. Detailierte Fragen zur veganen Schwangerschaft werden hier nicht im Einzelnen besprochen.

Gesunde Ernährung für Mutter und Kind während der Schwangerschaft

Die Richtwerte für die Vitamin- und Mineralstoffzufuhr liegen für die Schwangerschafts-monate höher. Gleichzeitig erhöht sich als physiologische Reaktion auf die Schwangerschaft aber auch die Absorptionsrate vieler der benötigten Nährstoffe.

Die Mehrzahl schwangerer Frauen, einschließlich veganer Frauen, können den gesteigerten Bedarf während der Schwangeschaft mit einer abwechslungreichen Ernährungsweise und einer teilweisen Supplementierung abdecken – dabei sollte frau ruhig ihrem Appetit folgen. Eine zu geringe oder zu hohe Nahrungsmittelaufnahme sollte aber vermieden werden … diese Info als PDF weiterlesen (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster).

Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts

 Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts

Wir wissen, dass das Wort ‚vegan’ im Jahr 1944 von Donald Watson bei der Gründung der Vegan Society geprägt wurde, aber wem ist bekannt, dass eben diese Lebensweise und Ethik in Europa auch schon vorher praktiziert wurde?

Im Jahr 1815 schrieb William Lambe, Fellow des Royal College of Physicians ist seinem Buch: ‚Water and Vegetable Diet’: „Der Grund warum ich gegen den Gebrauch einer jeglichen Tierart zu Nahrungsmittelzwecken bin und warum ich als Lebensmittel nur die Früchte des Bodens anerkenne, liegt in der weitgreifenden Tatsache, dass nichts außer diesen für die menschlichen Organe geeignet sind. Im gleichem Maße wie Fleisch für die Ernährung ungeeignet ist, so sind es aber auch Eier, Milch, Käse und Fisch.“

Lambe begann im Jahr 1804 mit seiner neuen Ernährungsweise und schloss sich bald einer Gruppe Gleichgesinnter an. Zu dieser Gruppe zählte auch John Frank Newton, der Autor von „Return to Nature, or a defence of the vegetable regimen“, das im Jahre 1811 in London publiziert wurde. Newtons Schwägerin, Harriet de Boinville, gehörte dieser Gruppe an. Ihr Haus, gelegen in der Gegend von Berkshire, und das Haus Newtons wurden zu den Treffpunkten des ersten uns bekannten Kreises protoveganer Freunde.

All das wäre vielleicht unbemerkt geblieben, wäre der damals 20-jährige Percy Bysshe Shelley nicht hinzu gestoßen. Der junge dichtende Shelley nahm bei einem Aufenthalt in Dublin im Jahr 1812 für sich eine Lebensweise an, die er als ‚das Pythagoräische System’ bezeichnete. Mit der klassischen Antike vertraut und das Lateiniische und Altgriechische beherrschend, muss er von dieser Art sich zu ernähren aus den alten Textquellen erfahren haben. Bei seiner Rückkehr nach London begegnete Shelley dem politischen Philosophen William Godwin der ihn mit Newton zusammenführte. Die jüngere Tochter Godwins, Mary Wollstonecraft Godwin, wurde später Shelleys zweite Frau. Vielen von uns ist sie auch bekannt als die Autorin des klassischen Romans ‚Frankenstein oder Der moderne Prometheus’.

Jahre später schrieb ein enger Freund Shelleys, Thomas Jefferson Hogg, der allerdings selbst Fleischesser geblieben war, über seine Erlebnisse bei den Shelleys:

„Ich passte mich an, nicht weil ich ihre Überzeugungen teilte, sondern nur aus Freundschaft. Ihre Gemüse-Diners waren natürlich wunderbar. Fleisch tauchte niemals auf, auch keine Eier als solche oder Butter in größeren Mengen. Eier und Butter wurde zwar beim Kochen zugelassen, aber so sparsam wie möglich und nur unter Protest, als kulinarische Hilfen denen man eingentlich nicht zusagte und die man bald aufgeben wolle. Käse war verboten. Milch und Sahne durften nur unter Vorbehalt gebraucht werden in Puddings oder im geringen Maße im Tee als Zugeständnis an die Schwäche Neu-Initiierter.“

Wir müssen uns natürlich bewusst machen, dass dies ja noch lange vor der Erfindung von Margarine war und noch lange bevor jemand im Westen etwas von Tofu oder Sojamilch gehört hätte. Die Veränderungen in der Ernährung waren zu der Zeit also ein noch größerer Schritt als heute, wo wir bereits eine pflanzliche Cuisine und die dazugehörigen Produkte vorfinden.

Es ging den Shelleys aber nicht bloß um das Essen oder um die Gesundheit. 1813 veröffentliche Shelley sein großes philosophisches Gedicht ‚Queen Mab’, dem er als Vorwort seinen Text A Vindication of Natural Diet’, ‚Zur Verteidigung einer natürlichen Diät’) voranstellte. Im Gedicht ‚Königin Mab’ finden wir die folgenden Zeilen:

Nich länger nun schlachter er das Lamm, dass ihm in sein Gesicht schaut, nicht länger verschlingt er grauenhalft sein geschunden Fleisch; …

Die Gruppe blieb einige Jahre beisammen. Zwischenzeitlich heiratete William Lambes Tochter den Sohn von Mrs. de Boinville, doch bald löste sich alles auf und nur Mr. Lambe erscheint später wieder im Blickfeld.

***

Im Jahr 1817 wissen wir von James Pierrepont Greaves als einem der die pflanzliche Ernährungsweise für sich annahm, und soweit uns bekannt ist war das auch tatsächlich eine völlig pfanzlich-basierende Ernährung die er von Anfang an praktizierte. Über sein frühes Leben wissen wir nur, dass er irgendwann in London lebte als Nachbar des Herausgebers der Bücher die wir oben bereits erwähnten. Und so könnte es sein, dass er mit dem einen oder dem anderen dieser Veröffentlichungen inhaltlich vertraut gewesen ist. Greaves verbrachte mehrere Jahre in der Schweiz bei dem radikalen Pädagogen und sozialreformer Pestalozzi, und er plante bald eine eigene Schule in London zu eröffnen. Zuvor hatte er von einer Schule in Boston, USA, erfahren, zu deren Curriculum außer der Vermittlung der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männnern und antirassistischen abolutionistischen Gedanken auch eine ethisch motivierte Lebensweise zählte, die sich mit der Versklavung der Tiere befasste; das war eine Lebensweise, die wir heute als eine vegane Lebensweise bezeichnen würden – den Begriff gab es damals aber selbstverständlich noch nicht. Die Schule in Boston, die Temple School, war von dem Lehrer und Philosophen Amos Bronson Alcott im Jahre 1834 gegründet worden.

Beeindruckt von dem erzieherischen Konzept der Bostoner Schule eröffnete Greaves nun seine eigene Schule in England und benante sie nach Alcott, so entstand ‚Alcott House’ im Jahr 1838 in Surrey. Heute wissen wir, dass es diese Gruppe gewesen ist, die sich zu allererst als „Vegetarier“ bezeichneten. Der erste gedruckte Gebrauch des Wortes ist uns aus dem Jahr 1842 aus einem Journal bekannt. Zu diesem Zeitpunk muss den Lesern der Begriff aber bereits geläufig gewesen sein. Inzwischen lässt sich auch zurückverfolgen, dass zu dem Zeitpunkt „vegetarisch“ noch eine 100%ig pflanzliche Ernährungsweise bedeutete. Man bemühte sich darum, das meiste der Früchte und des Gemüses selbst anzubauen und als Getränk wurde ausschließlich pures Wasser favorisiert – so wie das Dr. Lambe Jahre zuvor bereits empfohlen hatte. Lambe besuchte ‚Alcott House’ häufig und sah dort seine Ideen in die Praxis umgesetzt. Aus den überlieferten Dokumenten der Schule lässt sich ersehen, dass man die Zucht und Haltung von Tieren zum Zwecke ‚des Gebrauchs’ oder ‚der Unterhaltung’ strikt ablehnte, worin sich ebenso die ethische Begründung für ihre Lebensweise erkennen lässt.

Amos Bronson Alcott besuchte Alcott House vier Monate lang im Jahr 1842, und nahm zwei der dort Angestellen mit zurück auf seiner Heimreise in die USA, wo er mit ihnen eine weitere Gemeinschaft in der Nähe Harvards gründete, die er „Fruitlands“ nannte. Dieses Projekt war eher von kurzer Dauer. Auch dort wurde rein pflanzlich gegessen und der Einsatz vor Tierarbeit war verboten. Von der Tochter Alcotts, Louisa May Alcott, wissen wir aus ihrem Buch ‚Little Women’, dass Alcott House 1848 schloss nach zehnjährigem bestehen.

Innerhalb dieser Zeit wurde im Jahr 1847 die Vegetarian Society gegründet. Zwei Angestelle von Alcott House arbeiteten anfangs als Schatzmeister und Sekretär für die Vegetarian Society. Doch hätte die Vegetarian Society bald aufegeben, wenn sie nicht den wohlhabenden James Simpson von der Bible Christian Church zu ihrem Präsidenten gewählt hätten. Leider brachte dieser Zug aber auch mit sich, dass die Version einer „vegetaliben Ernährungeseweise“ der Bible Christian Church übernommmen wurde, die nur bedeutete kein Fleisch zu essen. Die Vision der BCC speiste sich aus der bildichen Überlieferung ‚von Milch und Honig’ (und Eiern) die im gelobten Land flössen. Die darauf resultierende Verwirrung und Verwässerung des neu formierenten Gedankens einer ethischen Lebensweise die Tiere mit einbeschloss dauerte ein Jahrhundert lang an, bis eine Gruppe innerhalb der Vegetarian Society sich dazu entschied, eine klare Entscheidung zu treffen und so die Vegan Society 1944 gegründet wurde.

Palang LY, NiceSwine.info

Die vollständige Version dieses Textes als PDF: Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

(Eventuelle typographische Korrekturen im Text werden noch vorgenommen.)

Wie man mit anderen Leuten oder sozialem Druck am besten umgeht

Wie man mit anderen Leuten oder sozialem Druck am besten umgeht

Es wird mit der Zeit einfacher

Wenn Du findest, dass der größte Stolperstein bei Deinem Ziel vegan zu werden, andere Leute sind, dann bist Du nicht der/die einzige, dem es so geht.

Leute z.B. die am Vegan Plegde Projekt der Vegan Society teilnehmen (bei dem man offiziell für sich festlegt die vegane Lebensweise zu testen, mit dem Ziel auch dauerhaft vegan zu werden), sagen oft auf die Frage, was sie befürchten, dass ihnen am meisten Probleme bereiten könnte während ihrer Probezeit eines veganen Lebens, dass ihnen der „Umgang mit anderen Leuten“ Sorgen mache.

Ob das Familienmitglieder sind mit denen sie zusammen leben oder mögliche Reaktionen von Freunden, Verwandten oder Kollegen: „andere Menschen“ stehen bei Leuten, die bislang noch keine vegane Praxis haben, immer wieder ganz oben auf der Liste der Dinge, die man sich als schwierig vorstellt bei der veganen Lebensweise.

(Die zwei anderen Hauptsorgen sind das ‚draußen essen’ (http://www.guidetoveganliving.org.uk/eating-out/eating-vegans-in-mainstream-restaurants/ , deutsche Version ist noch in Arbeit) und ‚den Käse als Lebensmittel aufgeben’ (http://www.guidetoveganliving.org.uk/adopting-a-vegan-lifestyle/top-tips-to-help-you-transition/kicking-the-chese-habit/ noch in Arbeit), falls Euch das interessieren könnte.)

Wenn es Dir auch so geht, dann kann Dir diese Info vielleicht Strategien mit an die Hand geben, die es Dir leichter machen können mit anderen umzugehen und Dich bei Deiner veganen Lebensweise allgemein sicherer zu fühlen.

Was Du wissen solltest, ist, dass es mit der Zeit tasächlich einfacher wird

Was Du an dieser Stelle unbedingt wissen solltest, ist, dass es mit der Zeit einfacher wird, denn normalerweise macht man über die Zeit Erfahrungen, durch die man lernt, gelassenen mit den Reaktionen anderer umzugehen und mit den Meinungen Anderer über Deine vegane Lebensweise.

Selbst wenn man eher dazu neigt, sich aus Dingen raushalten zu wollen durch die man irgendwie „anders“ oder „komisch“ wirken könnte, und wenn man auch ungerne Reaktionen anderer provoziert, kann man solch einen Mangel an Bereitschaft doch vollständig überwinden. Wir können das Gefühl gut nachempfinden, weil es uns selbst auch allen bekannt ist.

Und so funktioniert’s:

1. Andere Leute werden sich dran gewöhnen.

Der Moment in dem Du Deiner Familie und Deinen Feunden zum ersten mal davon berichtest, dass Du nun vegan lebst, ist auch der Moment, an dem Du von ihnen mit den meisten Fragen konfrontiert wirst – wenn sie überhaupt was nachfragen.

Leider ist das selbstverständlich auch der Zeitpunkt, an dem man als nietnagelneuer Veganer noch am aller unvorbereitetsten ist um auf all die möglichen Fragen zu antworten!

Aber sobald Du diese Phase der ersten Reaktionen einmal überstanden hast, dann werden sich die Leute um Dich herum daran gewöhnen, dass Du vegan bist. Es wird einfach ein Teil dessen, was Du bist. Also müssen Leute die Du kennst auch nicht immer wieder weiter neu darauf reagieren.

2. Vegan zu sein wird ein Teil von Dir und Du kannst Dir auch gar nicht mehr vorstellen anders leben zu wollen.

Nach einiger Zeit, wenn das Vegansein Teil Deiner Identität wird, kommst Du Dir wegen Deines Veganismus auch nicht mehr „komisch“ oder „anders“ vor, weil Du Dir auch gar nicht mehr vorstellen kannst anders leben zu wollen.

Und: Durch den Lernprozess, während dem man im Lauf der Zeit mehr über all die Gründe für das Vegansein erfährt, verliert jede Schwierigkeit, die man mit Anderen erlebt, an Gewicht.

Ein Feiertagsessen gemeinsam am Tische mit Deiner nichtveganen Familie zu verbringen oder den Kellner danach zu fragen, welche Speisen oder Beilagen für Dich als Veganer kompatibel sein müssten, ist nichts, verglichen mit dem, was Tiere durchmachen müssen.

3. Deine Erfahrungen zeigen Dir, dass Du es schaffen kannst mit der Sache umzugehen.

Wenn Du einmal aus der Erfahrung feststellst, dass Du mit Fragen und Reaktionen neuer Leute genauso umgehen kannst, dann fürchtest Du Dich auch weniger vor solchen Situationen. Wenn Du dieselbe ingeniöse Frage von einem Nicht-Veganern mehr als zwei Mal beantwortet hast, kannst Du Deine Antworten bald rezitieren, ohne immer wieder dazu dabei neu nachdenken zu müssen.

Also kurzum: denke dran, dass andere Leute Dich nicht davon abhalten können, Dein Leben so zu führen, wie Du es möchtest!