Sich vegan engagieren, in Richtung Konsum und Marktwirtschaftlichkeit oder gesellschaftskritischer Ethik?

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Sich vegan engagieren, in Richtung Konsum und Marktwirtschaftlichkeit oder gesellschaftskritischer Ethik?

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Viele sind sich da einig, dass die vegane Aufklärungsarbeit das wichtigste Instrumentarium ist, das wir in Sachen Tierbefreiung an der Hand haben. Und hierbei, so sind viele Veganer_innen überzeugt, könnten wir allein qua veganem Konsumerismus die Welt verändern. Stimmt das? Können wir die Gewalt gegen Tiere und einen ideologischen Speziesismus abschaffen, allein indem wir zwar keine tierischen mehr Produkte kaufen und verkonsumieren, ansonsten aber weitermachen wie bisher?

Klar ist bei all unseren Bemühungen um den Veganismus, dass wir ein Ziel verfolgen, das verschiedene ethische Stränge in sich bündelt: z.B. die Tierbefreiung, den Umweltschutz, ökologisches Bewusstsein, Nahrungsmittelgerechtigkeit usw. Alle solchen intersektionalen Themen sind von zentraler Bedeutung, für uns hier und für gerechtere gesellschaftliche Bedingungen auf globaler Ebene.

Sollten wir in Anbetracht der Komplexität unseres Anliegens bei der Art und Weise wie wir den Veganismus verbreiten, nicht darauf achten, dass wir unseren eigenen Zielen nicht unwillentlich ein Bein stellen im Ringen um schnelle Erfolge, die sich auf Dauer aber als problematische Scheinerfolge erweisen könnten?

Der Veganismus allein als ein Konsumboykott bei dem ‚der Verbraucher‘ auf eine Alternative in seinem Konsumverhalten umsteigt, funktioniert nicht hinreichend, denn das Netz marktwirtschaftlicher Mechanismen ist so dicht geknüpft, dass es schier unmöglich ist jeden Hersteller zu vermeiden, die etwas mit Tierausbeutung zu tun hat. Populäre und weit verbreitete Marken befinden sich im Besitz multinationaler Unternehmen, die ihren Anteil zur ‚ganz alltäglichen‘ Ausbeutung von Nichtmenschen und Menschen beitragen. Wenn wir also Geld für diese Produkte ausgeben, dann fördern wir indirekt, wenn auch unwissentlich und unabsichtlich, die Tier- und Menschenausbeutung mit.

Und selbst wenn wir alle unsere Lebensmittel in einem regionalen, ethischen, grünen Bioladen ganz in unserer Nähe einkaufen sollten, so ist doch klar, dass wir, sobald wir mit unserem hart verdienten Geld fürs frische Gemüse zahlen, de facto keine Kontrolle mehr darüber haben, wo das Geld dann weiter hinfließt. Der Laden wird sein Geld naheliegenderweise zur Bank geben, die es wiederum in zahlreiche fragwürdige Handlungspraktiken rund um den Globus investiert, unter denen sich dann mit aller Wahrscheinlichkeit auch irgendwo Tierversuche finden lassen werden, usw.

Für den Veganismus als eine Form des „ethischen Konsums“ zu werben, ist ganz genau so problematisch

Uns allen ist klar, zumindest sollte es das sein, dass Unternehmen ihre Arbeiter_innen ausnutzen müssen um Profite zu erwirtschaften. Arbeiter_innen wird ihre Arbeitskraft gestohlen, damit sich die Taschen ihrer Vorgesetzten füllen. Auch vegane Unternehmen können sich dieser Tatsache nicht entziehen. Sie könnten das höchstens dann tun, wenn das Unternehmen den Arbeiter_innen selbst gehören würde, die wiederum alle von ihnen gehandelten Güter selbst anbauen, verpacken, verschicken und verkaufen würden.

In Systemen die wir gemeinhin als kapitalistisch bezeichnen, existiert so etwas wie ein „ethischer Konsumerismus“ nicht, denn die gesetzmäßigen Zwangsläufigkeiten dieses ökonomischen Modells funktionieren schlichtweg ausbeuterisch.

Unser Ziel sollte es sein, Gewalt gegen Tiere nicht völlig undifferenziert am Punkt des Verbrauchs zu sabotieren, ungeachtet dessen wie wie sich Alternativen gestalten – ob konsumeristisch einerseits oder wünschenswerter Weise lieber postwachstumsorientiert.

Und um darauf zu achten, dass wir auch an die Wurzel der marktwirtschaftlichen Funktionsweisen herantreten, die die Interessen von Nichtmenschen und der Umwelt ausschließen, müssen wir auf das Segment unserer Gesellschaften fokussieren, indem die Leben anderer und der Natur insgesamt als ausbeutbare ‚Ressourcen‘ betrachtet werden – sprich die Fleischindustrie, die Argrarindustrie, das Konzerngebaren, Politik, Börse, Banken, Lobbyisten.

Damit einhergehend müssen wir uns mit der Aufbrechung derjenigen kulturellen Strukturen befassen, die die Tierunterdrückung und den Speziesismus als Marktvariablen einer Gesellschaft begünstigen, die sich ihre Freiheiten und Privilegien in Form eines Rechts auf Naturausbeutung erwirtschaftet und darin eine Art der gegen die Natur und die Tiere grausamen Selbstentlohnung betreibt.

Werte, die über Massenkultur und Marketing, und selbst den geistigen Konsum vermittelt werden, in denen ein verändertes Nachdenken über unsere Mitlebewesen ausklammert und als zweitrangig behandelt werden, müssen kritisch hinterfragt und analysiert werden. Bildungsinhalte und -systeme, die Umwelt- und Tierethik ausklammern oder im besten Falle anthropozentrisch ausrichten, und nicht zuletzt auch die individuelle menschliche Identitätsfragen, sind allesamt Faktoren, die ihre Rolle in der systemischen Tierunterdrückung mit spielen.

Der Veganismus wird den Leuten als eine individuelle Wahl des Lebensstils schmackhaft gemacht

Oft wird gesagt wie viele Tiere wir retten, wenn wir vegan leben. Indem wir die Verantwortung ganz dem Einzelnen zuteilen und versichern, der Haupthebel läge in der Reduzierung tierlicher Produkte die ein Mensch jeweils konsumiert, nehmen wir den Druck von den agrarbetrieblichen Stätten, Institutionen, Unternehmen, Investoren und Denkfabriken, die nichtmenschliche Tiere für Profite töten und töten lassen. Wir übersehen die Funktionsweise der größeren marktwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen, indem wir die Lösung allein beim Lebensstil des Einzelnen suchen und belassen.

Und, mit der Gewichtung auf den Lebensstil wird zugleich auch eine Spaltung zwischen denjenigen Menschen erzeugt, die aufgrund ihrer sozio-ökonomischen Lage vegan sein können, als „den besseren“, und denjenigen die es nicht wirklich schaffen, wenn wir Faktoren wie niedrige Löhne, keine entsprechenden Zugänge zu Nahrungsmitteln, keine ausreichende Zeit zur Zubereitung veganer Mahlzeiten usw. in Betracht ziehen, als „den schlechteren“.

Bislang gibt es keine soziologisch-wirtschaftlichen Studien im Bereich veganer Aufklärungsarbeit oder in der Tierrechtsbewegung, die sich damit befassen, warum Leute quasi gezwungen sein könnten nichtvegane Lebensmittel zu konsumieren. Statt genauer hinzuschauen, scheint es uns leichter alle Nichtveganer_innen als Teil des Problems zu bezeichnen – außer wir sind sowieso dazu geneigt, das Ganze nur als eine Frage der persönlichen Wahl darzustellen.

Die Produkte für die wir werben sind häufig teuer, oftmals sogar nicht wirklich gesund und oft auch welche, die mitunter eher unnötige Aspekte der veganen Ernährungsform und Lebensweise betonen. Zuviel wird fokussiert auf eine gefaked omnivore Lebensweise, wobei die gesunde vegane Ernährungsweise eigentlich aus frischem Obst, Gemüse, Nüssen, Getreide und Hülsenfrüchten besteht – was in der Tat keine diätere oder kulinarische Banalität ist! Stattdessen werden die Leute dazu ermutigt verarbeitetes „Vleisch“ statt verarbeitetem „Fleisch“ zu essen. Die Veränderung im Leben bewegt sich an einer gewissen Oberfläche und wird dort auch mit Bemühungen gehalten, um keine Unruhe in der konsumfreudigen Seele zu erzeugen, könnte man zynisch behaupten.

Aber genau diese marktwirtschaftlich opportune Geschmacklichkeit führt zu einem der häufigsten Argumente gegen die vegane Praxis: Es sei zu teuer und eher was für die Mittelschicht – und, der Veganismus sei oberflächlich. Was in gewisser Hinsicht auch wahr ist, wenn wir uns anschauen wie der Veganismus sich bislang häufig darstellt, mit dem Augenmerk auf seine gewinnbringenden Potenziale, die sich bequem ins übliche neoliberal kapitalistische Gefüge einfügen lassen (und das selbst von einigen Tierrechts-Gruppen).

Wir verlängern und stützen das Argument gegen den Veganismus – er sei zu teuer – eher, indem wir teure „Fleisch“- und Käsealternativen propagieren, statt günstige bezahlbare Mahlzeiten vorzustellen, die aus den klassischen unverarbeiteten veganen Lebensmitteln zubereitet werden.

Was sich ändern müsste

Wenn wir an unseren Ständen veganes Essen als Kostproben verteilen, vegane Messen, Festivals, Partys und Kochkurse organisieren, dann suggerieren wir meistens, dass der Veganismus eine Wahl der Ernährungsweise sei, mehr nicht. Wir setzen kommunikativ nicht von der Perspektive an, dass es schließlich Myriaden von Formen speziesistischer Tierunterdrückung und Tierausbeutung gibt, mit denen menschlichen Interessen gedient wird.

Interessierte werden auf voreilige Schlussfolgerungen gestoßen, die für eine gewisse Zufriedenheit sorgen sollen – erstmal – nämlich, dass sie, indem sie vermeiden Tierprodukte zu konsumieren, das Maximum an Menschenmöglichem leisten könnten an dem, was wir alle gegen das Ausmaß an Tierleid in dieser Welt setzen können.

Veganer Kapitalismus, vegane Marktwirtschaftlichkeit, mit allem was dazu gehört, profitiert massiv von der Grasswurzel-Tierrrechtsbewegung. Wir, die veganen Tierrechtler_innen und Tierbefreier_innen, sind die besten Werbeträger für dieses wachsende Segment des Lifestyle-Marktes. Wir gehen auf die Straßen und werben für alle veganen Produkte die wir nur kennen. Und was am besten ist, wir tun das alles umsonst und mit einem ehrlichen und unbezahlbaren Engagement. Unser Idealismus macht uns zu unbezahlten Arbeitern veganer BWLler, denen im Gegensatz zu uns Moral und Ethik eher Faktoren ihrer Kalkulation darstellen, die sich werbewirksam und finanziell auszahlen müssen.

Der Veganismus muss ein Teil unseres gelebten Aktivismus bilden, er darf keine Aktivität sein, mit der am Rande geworben wird. Der Veganismus ist eine Ablehnung der Vorstellung, dass Tiere existieren zum Nutzen einer per Definition und mittels Gewalt über sie herrschenden Menschheit. In dieser Weise allein bildet er das Herzstück der Tierbefreiungsphilosophie. Wenn wir für den Veganismus werben, dann deshalb, weil wir wollen, dass Menschen ihre Beziehung zu nichtmenschlichen Tiere neu, anders und kritisch überdenken, und damit diese Menschen letztendlich lernen in Frage zu stellen, worauf ihre privilegierte Position als Menschen innerhalb einer human-zentrischen Gesellschaft fußt.

Wir sollten den Veganismus nicht weiterhin als eine ethischere Variante des erdzerstörenden Kapitalismus bewerben, sondern als einen Weg, der beschritten werden muss gegen alle ökozidalen und zoozidalen totalitären Herrschaftsformen der Menschheit. Der Veganismus kann ein Ausgangspunkt alternativer ökonomischer Modelle bilden, er muss schließlich Teil der Alternative zu unseren gegenwärtigen ausbeuterischen Wirtschaftsmodellen werden.

Tierbefreiung braucht eine soziale Revolution die altruistisch anmutet, in der sich die Sicht der Gesellschaft und Menschheit auf die nichtmenschlichen Tiere und die natürliche Umwelt verändert. Diese Richtung auch nur anzudenken wird kaum möglich sein aus der Warte innerhalb unseres gesellschaftlichen Geflechts aus Fortschrittsfiktion und Wirtschaftsgläubigkeit.

Mechanismen, die graduelle Veränderungen in die richtige Richtung ad absurdum zu führen scheinen, müssen aus veganer- und Tierrechtssicht kritischer betrachten werden. Unser Wirtschaftssystem ist wirklich eine nicht zu stoppende Maschinerie, die wir nur versuchen können durch ‚Sand-ins-Getriebe‘ langfristig zum Erlahmen zu bringen.

Die marktwirtschaftlichen Diktate denen wir nicht entrinnen können und die durch die Massengesellschaft über einen dauerhaften Treibstoff verfügen, befinden sich im Prozess alle Nichtmenschen, jeden ‚Flecken Natur‘ auf diesem Planeten zu instrumentalisieren und zu zerstören. Diese selbst geschaffene Zwangsläufigkeit wird andauern bis wirklich alles was verzehrt, genutzt, konsumiert – und zu irgendeinem Herrschaftsgebiet im geistigen oder physischen Sinne gemacht worden ist – „Sache“ und „Gewinn“ geworden ist.

Der Veganismus kann der stärkste Hebel in der radikalen Kriitk an dem Wirtschaftsdiktum unserer exploitativen ökonomischen Mechanismen sein, insbesondere da der tierausbeutende Agrarkomplex solch einen entscheidenden und tiefverwurzelten Pfeiler eines human-zentrischen Ausbeutungswillens bildet. Ein tiefergreifendes Umdenken können wir aber nur dann anstoßen, wenn wir an einer radikaleren veganen Bewegung mitarbeiten, die nicht einfach die Produkte veganer Hersteller vorstellt und den Veganismus als einen reinen Konsumboykott bei gleichbleibend konsumeristischem Verhalten bewirbt, sondern wir müssen uns für einen gesellschaftlich-ökonomischen Wandel einsetzen, dessen Ziel die praktische Ablehnung jeder Form von Gewalt und von „Ressourcen“-Instrumentalisierung ist.

Die Tiere, die Natur und Menschen müssen auf eine neue Weise in ihren welterhaltenden Potentialen erkannt werden.

VeganTurkiye_twitter

Globaler politisch-ethischer Veganismus, vegane Gezi-Aktivist_innen von @VeganTurkiye bei einer Tierrechtsdemo.

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Sich mit der ethischen Seite des Veganismus befassen

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Der Veganismus ist keine perfekte Allround-Lösung für alle Probleme, die die Fragen betreffend der menschlichen Ausbeutung von Tieren und die menschliche systemische Gewalt gegen sie anbetreffen. Aber der Veganismus, als praktische Ethik, ist ein unerlässlicher Schritt und es gilt seine Ansätze weiter zu optimieren auf dem Weg eine gerechte Gesellschaft zu schaffen, die ein Bewusstsein für die Bedürfnisse und die Würde ihrer Mitlebewesen entwickeln will.

Ein Problem, das der Veganismus bislang noch nicht gelöst hat, ist die Frage, inwieweit er sich mit den Ursachen von Gewalt gegen die Tierwelt auseinandersetzen sollte. Das wäre fast eine Aufgabe einer ‚veganen Soziologie‘.

Man bezeichnet die Problematik der menschlichen Abwertung gegenüber Tieren in ihrer systemischen Form als „Speziesismus“. In Hintergrund der meisten Veganer_innen schwirrt selbstverständlich der Gedanke, dass man hauptsächlich etwas Gutes für Tiere bewirken will – der Veganismus selbst hat sich eindeutig auf diesem Anspruch begründet. Aber vordergründig gerät genau dieser Punkt oft ins Abseits, und statt einer Diskussion über den Speziesismus sehen wir in den meisten veganen Blogs hauptsächlich alles andere was rund um den veganen Lifestyle noch so von Interesse sein kann. Und kaum einer protestiert. Warum wohl?

Wir alle müssen den Anfang selber machen liebe Veganer_innen

Wir denken es ist Zeit sich mit der veganen Ethik als Diskussionsgegenstand zu befassen. Wir befürchten, dass der Mangel an einer breiteren Diskussion über den ethischen Veganismus, in der veganen Szene selbst, letztendlich dazu führt, dass die Tierfrage im Veganismus immer uninformierter behandelt wird. Es geht um Tiere beim Veganismus, und wir setzen die Tierbefreiung und die Befreiung der Menschen und unser Umweltbewusstsein *weitestgehend* auf eine Stufe, jedoch in der ethischen Diskussion weist der Veganismus noch über zu große Lücken auf.

Was genau ist eigentlich Speziesismus – außer einem Statement das besagt, dass wir Sexismus, Rassismus und Speziesismus allesamt gleichermaßen verwerflich finden? Es ist der Ausschluss der nichtmenschlichen Tiere aus unserem allein für uns selbst beanspruchten ethischen Selbstverständnis, das heißt wir beanspruchen Freiheiten und eine *absolute* Würde für uns, die wir der Tierwelt auf allen möglichen Ebenen absprechen. So haben wir es beim Speziesismus mit einer ganzen Latte von Argumentationssträngen zu tun, die uns allesamt beweisen sollen, dass Tiere im Vergleich zum Menschen weniger „Wert“ sind. Diese Argumente können biologisch begründend sein, sich auf Kultur und Traditionen berufen, religiös sein, philosophisch, soziologisch,  usw. usf. Die Dichotomie, die Menschen zwischen sich zur Tierwelt und Natur kreiert haben, scheint geschichtlich gesehen kulturell übergreifend gewesen zu sein und sie ist es bis heute, und diese ethische Separierung umfasst – mehr oder weniger sichtbar – so gut wie alle Lebensbereiche.

Wir alle erleben Speziesismus in unserem täglichen Leben, aber wir sprechen kaum darüber. Warum fehlt uns der Mut dazu und warum versuchen wir nicht diese Barriere zu brechen und ein Vokabular zu entwickeln, mit dem die gesellschaftlichen Funktionsweisen des Speziesismus für uns diskutierbar werden? Nur so können wir das Thema effektiv zunehmend in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken.

Mankos in der veganen Bewegung, die sich aus einem Mangel an kritischer Diskussion über den Speziesismus ergeben, fallen uns zur Zeit auf in solchen Punkten wie:

  • Das Rätselraten einiger Veganer_innen darüber, ob der Veganismus überhaupt antispeziesistisch zu sein hat
  • Der biovegane Landbau einerseits als Planung und Zukunftsvision der veganen Selbstversorgung und Nahrungsmittelpolitik, aber andererseits die fehlenden Überlegungen über die Schaffung von neuen Lebensräumen für gerettete ‚Farmtiere – hier fehlt einfach die gesammelte Vision statt es bei einigen ‚isolierten‘ Lebenshöfen zu belassen
  • Die Fokussierung auf das den Menschen betreffende Politische in der intersektionalen Diskussion im Veganismus, der fehlende Vorstoß der Politisierung der Speziesismus-Problematik in dem Zusammenhang
  • Mängel an Pluralität in der veganen Bewegung, geistig- kultureller Konsumerismus und Konformismus als Gruppenidentität im Veganismus
  • die fortwährende Fokussierung auf eine Abschaffung der Massentierhaltung statt der Forderung auch die einzelne Tötung von Tieren in der ökologischen oder in der ‚traditionellen‘ Landwirtschaft durch öffentliche Thematisierung als ethisches Problem ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.
  • Die Unterscheidung von Tierausbeutung bei unterschiedlichen Tierspezies, insbesondere abhängig von Geographie oder Status der Tierspezies in unserer Gesellschaft

 

Wir haben Avvikas Filip über den Rahmen veganer Intersektionalität befragt

Wir haben Filip, den Gitarristen der tschechisch-schwedischen veganen anarchistischen Band Avvika, über den ethischen Rahmen veganer Intersektionalität befragt und wie wir den Veganismus als aktivistische Praxis und als Befreiungswerkzeug politisch navigieren können. Im Text ihres songs „Eternal Treblinka“ thematisiert die Band die Verbindungen zwischen dem totalitären Genozid und dem Tabu des Speziesismus als einem totalitären Zoozid (Tiermord), der in der Epistemik menschlich-hierarchischer „Objektivität“ seine Wurzeln findet.

Filip: Der Veganismus stellt für mich in meinem Leben eine wichtige Selbstverpflichtung dar. Ich freue mich immer wenn ich neue Leute sehe, die gerade vegan geworden sind, und bin ehrlich gesagt etwas traurig, wenn manche dieser Lebensweise wieder den Rücken zukehren. Wenn Leute beispielsweise sagen „das ist jedem seine eigene Sache“, dann frage ich mich, ist es auch jedermanns eigene Sache sich einen Sklaven zu halten oder seine Frau zu schlagen? Ich stelle mich eindeutig auf die Seite der Unterdrückten, statt die freie Wahl von irgendjemandem, der Kontrolle über das Leben eines anderen ausübt, zu respektieren. Das mag übertrieben klingen, aber das ist dann das Problem des Lesers und nicht meines. Und überhaupt ist das nämlich das ganze Dilemma mit dem Speziesismus: dass einige Lebewesen angeblich ja „nur“ Tiere sind, und dass die Wahl der Menschen als ein Prinzip übergeordneten Wertes wahrgenommen wird.

Für mich ist der Veganismus eher als ein Weg und ein Prozess statt einer allerletzten Lösung. Der Veganismus ist die Wahl dessen, wie wir/ich an diesem Ort, in dieser Zeit, leben wollen. Das ist für mich eher eine Entwicklung und noch nicht das letzte Endziel. Dieser Weg ist die passivste Handlung und zugleich das solideste Fundament von dem, was wir alle tun und leisten können innerhalb des Rahmens der Entscheidungen, die wir alltäglich treffen. Und, es ist einfach der Anfang langer Entwicklungen, die nötig sind für die Tierbefreiung. Ich betrachte Menschen auch als Tiere. Die Tierbefreiung geht für mich Hand in Hand mit einer anarchistischen Revolution, was auch immer das alles beinhalten muss. Der Veganismus ist nicht zuletzt auch ein Akt der Solidarität.

In einigen Kreisen, deren Fan ich nicht unbedingt bin, ist der Veganismus inzwischen trendig geworden. Ich denke, dass Erkenntnis von einer (Eigen-)Aufklärung oder von mehr Informationsquellen her rühren sollte, statt von einer Mode oder einem Trend. Was bei diesem Trend nämlich geschieht, ist dass Leute zwar schnell vegan werden, dies aber ohne wirklich zu wissen warum, und plötzlich fällt ihnen ein, dass sie es doch nicht so ganz verstehen und sie geben die ganze Sache wieder auf. Wobei ich diesen Trend allerdings solchen Trends wie pelztragen oder jagen gehen definitiv bevorzuge!

Ich denke es wäre ein Fehler zu glauben, dass man heute irgendetwas wirklich effektiv boykottieren kann, indem man schlichtweg ein anderes Produkt wählt. Ich will euch zur Erklärung einige Beispiele nennen: die bekanntesten Hersteller veganer Milchsorten gehören den größten globalen Konzernen für Milchprodukte. Und ich habe neulich von so eine (anti-)sozialen Webseite gehört, die hieß „Compassion Pizza“ (Pizza mit Mitgefühl), man findet auf der Seite eine Liste von Lokalen, Pizzerien, usw. wo man Pizza mit veganem Käse bekommt. Die meisten diese Händler hatten nie vor ein veganes Restaurant zu eröffnen oder es ist ihnen einfach egal, sie haben bloß erkannt, dass sie so noch ein bisschen mehr verkaufen können wenn sie veganen Käse mit auf Menü setzten, und so macht der „Compassion Blog“ tatsächlich Gratis-Werbung für all die Restaurants, die zum größten Teil vom Verkauf von Fleisch- und Milchhaltigen-Produkten ihre Profite machen. Das ist, was ich an diesem Trend für bedenklich halte.

Viele Leute meinen, dass ihre Wahl eines veganen Käses und ein Sojamilch-Cappuchino einen Wandel herbeiführen werde. Leider ist die Lebensmittelindustrie aber ein gieriges Monster (wobei natürlich nicht nur diese Industrie, sondern prinzipiell ist jede Industrie schädlich für das Leben aller). Besonders der sogenannte grüne Kapitalismus ist ein trauriges Beispiel dessen, wie unser System nach allem greift was Menschen hervorbringen, die einiges an Potential haben die Dinge zu hinterfragen und Ungerechtigkeiten und Machtstrukturen zu kritisieren. Das System greift danach, verleibt es sich ein, macht daraus irgendein Produkt und verkauft es zurück an dich. Das macht den Kapitalismus so viel effiziente als irgendeine Diktatur. Er macht beinahe alles möglich, wenn du es dir nur leisten kannst und die Menschen daran glauben, dass das die Freiheit wäre, in diesem Wettbewerb immer höher zu klettern, um imstande zu sein für alles zu zahlen. Das ist „Demokratie“, wenn du fast alles kaufen kannst wenn dir dein Geld dazu reicht, und das klappt noch viel leichter wenn du weiß bist und „am besten“ noch ein Mann. Dann hast du deinen „ebenen und gleichberechtigten Weg“ zur Macht.

Nein, aber das ist keine Freiheit! Wir leben in einer „vom Menschenhand geschaffenen Hölle“!

Wir haben uns ein Mantra geschaffen, das inzwischen größer ist als wir selbst, als jeder einzelne von uns. Die meisten Werte und Beziehungen die Menschen teilen, sind kapitalistische; man sieht andere Lebewesen und andere Dinge gemäß ihres sozialen Statuses bzw. ihres zu Profit wandelbaren Potentials. Die Tierindustrien, insbesondere auch die Vivisektion, ist nur die Spitze des Wahnsinns und der Ignoranz unserer Gesellschaft. Und das ist ein krasses Beispiel. Ich glaube an keine Freiheit oder Gleichberechtigung, die im Rahmen des Kapitalismus möglich wäre. Der Kapitalismus mit seiner eigenen Beschränktheit, die sich im ökonomischen Wettbewerb ausdrückt, den globalen „freien“ Märkten, dem Gefängnis-System, den Nationalstaaten, der Polizei usw. usf. … all das wird sich durch den Kauf eines veganen Kaffees nicht ändern lassen. Und das ist auch der Grund, weshalb ich den Veganismus (ohne einer antikapitalistischen Kritik) nicht als ethisch (genug) bezeichnen würde.

Ich sehe unseren Weg zur Tierbefreiung über die komplette Abschaffung der Domestizierung der Tiere (einschließlich derer von uns Menschen). Domestizierung durch Arbeit, Geld, Industrien, Kirchen, Alkohol, soziale Zwänge (Gender, sexuell), Normen, usw. – all diese Dinge führen schlichtweg zur Entfremdung. Sicher, man kann solch eine Meinung ablehnen und sagen, dass so Leute wie ich lieber in den Wald ziehen und die Klappe halten sollten. Aber ich bleibe dabei und spreche über die Abschaffung der Domestizierung und ich werde mich davor niemals verstecken. Nicht zuletzt existiert in der Gegend in der ich lebe, selbst im ganzen Land (und wahrscheinlich im größten Teil Europas) kaum mehr viel natürlicher (nicht durch Menschenhand gepflanzt und verwalteter) Wald, der nicht privat- oder staatlicher Besitz wäre, wo man sich einfach so aufhalten könnte und „wild“ und ohne weitere Repressalien leben könnte.

Wir müssen kämpfen und uns nicht verstecken oder wegflüchten!

Niemand ist frei bis nicht alle frei sind.

GO VEGAN! GO FURTHER!

Filip//AVVIKA

Avvika – Eternal Treblinka

 

You can find an explanation of this song here. Here are the Czech and Swedish translations of the lyrics.

The beginning of Genesis says that God created man in order to give him dominion over fish and fowl and all the creatures. Of course, Genesis was written by a man, not a horse. There is no certainty, that God actually did grant man dominion over other creatures.

What seems more likely, in fact, is that man invented God to sanctify the dominion that he had usurped for himself over the cow and the horse, over the pig and the bird. Yes, the right to kill an animal is the only thing that all mankind can agree upon, even during the bloodiest of wars.

We have been at war with the other creatures of this earth ever since the first human hunter set forth with spear into the primeval forest. Human imperialism has everywhere enslaved, oppressed, murdered, and mutilated the animal peoples.

All around us lie the slave camps we have built for our fellow creatures, factory farms and laboratories, Dachaus and Buchenwalds for the conquered species.

We slaughter animals for our food, force them to perform silly trics for our entertainment and delectation, gun them down and stick hooks in them in the name of sport. We have torn up the wild places where once they made their homes.

Speciesism is more deeply entrenched within us even than sexism, and that is deep enough.

The most calamitous and fragile of all creatures is man, and yet the most arrogant. Is it possible to imagine anything so ridiculous as that this pitiful, miserable creature, who is not even master of himself, should call itself master and lord of the universe?

The domestication of women followed the initiations of animal keeping, and it was then that men began to control womens reproductive capacity, enforcing chastity and sexual repression.

A greedy monster devouring with a thousand mouths.

The spirit of Capitalism made flesh.

European explorers and colonists, who at home abused, slaughtered, and ate animals to a degree unmatched in human history up to that time, sailed forth to other parts of the world representatives of a religious culture that was as theologically arrogant and violence-justifiying as any the world had ever seen.

In the made-for-TV culture the only addmitted genocide is now part of history. “It’s comforting – it’s over”.

But aren’t the Auschwitzes of today animal farms, transports, laboratories and slaughter houses that are so carefully hidden from view? Where the most defenseless of the world’s victims are merely seen as material.

Nowhere is patriarchy’s iron fist as naked as in the opression of animals, which serves as the model and training ground for all other forms of opression.

Sight, sound and smell. Death on monumental scale.

No one wants to hear it, no one wants to see.

All unseen and unheeded, this horrible crime is

buried out of sight, wiped out of memory.

…thou shalt not be a perpetrator; thou shalt not be a victim; thou shalt not be a bystander. …”If learned throughout society, those three commandments could help people see that choices we make determine the extent to which we are perpetrators, victims, or bystanders in a society that has long been carrying out a holocaust against animals and other beings and ecosystems while declining to recognize it as a holocaust.”

“the point of understanding the Holocaust in Europe is to prevent and halt other ones, not to remain narrowly focused on that particular one, traumatic though it was.”

Credits: from S​/​T 12″, released26 February 2014

Sich verbinden:

http://avvika.musicforliberation.com/
http://avvika.bandcamp.com/

Vive la Meinungsfreiheit

via: In neuen Territorien denken

jesuischar

Unser Stand der Dinge: Wie steht es mit der „eigenen Meinungsfreiheit“ und was ist Meinungswirksamkeit?

Wir – als Gesellschaft – haben im gewissen Sinne alle ein Problem mit der Meinungsfreiheit: Meinungen werden nicht als flexible, sich verändernde Gebilde wahrgenommen, sondern zeigen nur ein grobes politisches (oder nichtpolitisches) Lager an, dem sich jemand zuordnen lässt, und, wir alle (als „Masse“ sozusagen) haben ein Problem mit dem Fokus: alle Welt fokussiert relativ zeitgleich auf ein oder wenige aktuelle Themen, wobei das Problem dabei ist, dass alles, was in dem Moment nicht zu den Mainstreamthemen gehört, sowenig Interesse und Zurkenntnisnahme in der öffentlichen Debatte erhält, als gäbe es überhaupt kategorisch irrelevante Themen und Perspektiven.

In welchem Feld finden sich vor solch einem Hintergrund betrachtet Tierrechte und Antispeziesismus?

Wenn der ethische Veganismus Revolution sein will, kann er sich nicht den bestimmenden politischen Lagern unterordnen, bei denen die Interessen nichtmenschlicher Tiere als relativ unbedeutend für die Gesamtheit ethischer Koexistenz bewertet werden. Ein ethischer Veganismus, die Tierrechtsbewegung und die Antispeziesismusbewegung müssen selbst meinungsbildend sein, in dem Sinne, dass alte politische Kategorien und Lager aufgebrochen und neue Blickweisen aufgezeigt und inspiriert werden. Eine Meinung gilt nichts, wenn sie sich keinen eigenen Raum schafft und nur als Sekundärmeinung betrachtet wird.

Was ist das aber für ein Phänomen, dass „Menschenmassen“ immer zeitgleich auf gleiche Themen anspringen – wobei endlos viele Themen in verschiedener Hinsicht relevanter sein können oder genauso relevant sind, wie die, denen gerade alle Aufmerksamkeit zuteil wird? Es mag meistens letztendlich um Menschenrechtsfragen und Fragen des Weltfriedens gehen, aber es fragt sich, warum Menschenrechte nicht auch Tierrechte und eine reifere Haltung der natürlichen Umwelt gegenüber mit sich vereinbaren lassen könnten.

Wenn auch ein Diktat des Fokus existiert, so können Themenschnittmengen doch einen Ausweg aus den einseitigen Gewichtungen in der Wahrnehmung von Problemkomplexen bieten: kaum ein Thema hat rein gar nichts mit einem anderen zu tun. So wäre die gegenwärtige Debatte über Extremismus und Terrorismus eine Möglichkeit, das Thema der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft/den Gesellschaften allgemein stärker anzusprechen. Gewalt ist den meisten Problemen, mit denen wir primär zu kämpfen haben (Speziesismus, Rassismus, Sexismus, … usw. usf.) immanent; ein einziges Phänomen solcher Gewalt herauszusondern, führt zu keiner tiefergreifenden Analyse und möglichen fundamentalen Kritik der Psychologie der Gewalt.

TIERAUTONOMIE / Gruppe Messel

Die St. Patrick’s Church im US-Bundesstaat Wisconsin misshandelt Schweine brutalst als öffentliches Spektakel

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Die St. Patrick’s Church im US-Bundesstaat Wisconsin misshandelt Schweine brutalst als öffentliches Spektakel

Am 10. August wurden in bei einer Veranstaltung unter dem Titel: „Pig’s Rassle“ in Stepehnsville in US-Bundesstaat Wisconsin 37 Schweine ins Gesicht geschlagen, getreten, geprügelt, angeschrien und gegen ein Fass geschleudert (Video Link: https://www.youtube.com/watch?v=TYq8VH-A4Cw ) als öffentliches Spektakel bei dem jeder teilnehmen kann.

Am 11. August wurden diese 37 Nichtmenschen dann brutalst geschlachtet. Gegen die Veranstaltung liefen Petitionen, die von Zehntausenden weltweit unterzeichnet wurden. Die Veranstaltung ließ sich nicht verhindern. Was kann die Tierrechtsgemeinschaft nun dagegen tun, damit diese Gewalt nicht straflos geschehen konnte und nächstes Jahr wieder geschehen wird?

Die St. Patrick’s Church, der Organisator dieser Veranstaltung, sagt, sie wollen das sadistische Spektakel nächstes Jahr natürlich wieder stattfinden lassen. Die lokale Tierrechtsgruppe ‚Global Conservation Group’ plant gegen die Kirche zu klagen, und zwar in den folgenden Punkten: Gefährdung von Tieren, Gefährdung von Kindern und Verstoß gegen das im Bundesstaat Wisconsin geltende Gesetz, den Wisconsin Crimes Against Animals Chapter 951.08, das den Kampf mit Tieren und Tierkämpfe insgesamt verbietet.

Wir alle können die Gruppe dabei unterstützen die Anwaltskosten hierfür aufzubringen! Paypal: https://www.paypal.com/webapps/mpp/send-money-online ; Spenden an: mike.turner@globalconservationgroup.com.

Die Gruppe plant in nächster Zeit auch eine Kampagnenseite zu dem Fall zu starten unter http://www.stpatricksabusesanimals.com/. Ihre Facebookseite mit weiteren Informationen ist abrufbar unter: https://www.facebook.com/gcg3000.

Donald Watson, Mitbegründer der VEGAN SOCIETY und „Erfinder“ des Wortes VEGAN, über diese Namensfindung in den ersten VEGAN NEWS von 1944:

Donald Watson, Mitbegründer der VEGAN SOCIETY und „Erfinder“ des Wortes VEGAN, über diese Namensfindung in den ersten VEGAN NEWS von 1944:

Gesucht – ein Name

Wir sollten uns alle genau überlegen wie wir unsere Gruppe, unser Magazin und uns selbst überhaupt nennen wollen. „Nicht-Milchkonsumierend“ ist inzwischen umgangssprachlich generell bekannt geworden, aber so wie „nicht-lakto“ klingt es zu negativ. Außerdem beinhaltet der Begriff nicht, dass wir auch dem Gebrauch von Eiern als Lebensmitteln widersprechen. Wir benötigen einen Namen der vermittelt was wir essen, und womöglich müsste der Name den Gedanken weitertragen, dass obgleich alle tierischen Lebensmittel Tabu sind, die Natur aber eine beeindruckende Fülle bietet, von der wir wählen können. „Vegetarier“ und „Fruktarier“ werden bereits mit den Vereinen in Verbindung gebracht, die die „Früchte“ (!) von Kühen und Vögeln („Geflügel“) erlauben, daher scheint es, sollten wir eine neues und passendes Wort finden. Da die erste Ausgabe unseres Merkblattes benannt werden musste, habe ich den Titel „The Vegan News“ verwendet. Wenn wir diesen Namen annehmen sollten, dann wird unsere Ernährung bald als eine VEGANE Ernährung bekannt werden und wir werden den Rang von VEGANERN einnehmen. Vorschläge von Mitgliedern sind willkommen. Der Vorzug eines kurzen Namens ist denen von uns besonders bekannt, die, als Sekretäre vegetarischer Vereine, das Wort Vegetarier tausend man im Jahr tippen oder
schreiben müssen!

Der komplette Text: Eine Übersetzung der ersten Vegan News aus dem Jahre 1944 von Donald Watson.

Ein Roundup (Juli 2014)

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Ein Roundup:

Wir sind in letzter Zeit viel damit beschäftigt, tierrechtstheoretische Übersetzungen zu verfassen und haben weniger Zeit für vegane Infos. Das heißt aber nicht, dass wir uns nun als fertige Veganer_innen fühlen, die meinen, da gäbe es nichts mehr zu bloggen über das Vegansein.

Hauptsächliches Ziel unserer veganen Infos soweit ist es gewesen, veganen Newbies das Wichtigste mit an die Hand zu geben. Wenn man die ersten Hürden eines veganen Alltags dann bewältigt hat – sprich: sich in zahlreichen lebensalltäglichen Dingen neuorganisiert hat – dann bleibt man meist nicht dabei, immer „ausschließlich“ über vegane Basics zu sprechen und man kann seinem moralischen Interesse nachgehen, sich nun mehr mit den tierrechtspolitischen Aspekten des Veganismus und allgemeinen ethischen Hintergründen zu befassen.

Letztendlich wollen wir ja die Welt verbessern (für die Nichtmenschen, für die Umwelt – uns alle) und der Veganismus ist so natürlich der erste Trittstein, der für diese zeitgemäße, dramatisch überfällige Veränderung begangen werden sollte.

Genau für diejenigen Menschen also, die sich in dem Stadium befinden, weiter als bis zu Ernährungs- und Lifestyle-Fragen im Veganismus zu schauen, wollen wir eine Sammlung an neuen Tierrechtstexten auf einer Open Access-Basis bereitstellen.

Soweit möchten wir Euch in dieser Hinsicht folgende unserer Text-Ressourcen empfehlen:

Öko-Feminismus

  1. Karen Davis: Wie ein Huhn zu denken: Farmtiere und die feminine Verbindung
  2. Vasile Stanescu: Warum es nicht genügt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik

Menschenrechtsfragen und Tierrechte/Tierbefreiung

  1. Texte von Amie Breeze Harper, über Veganismus und den rassismuskritischen Ansatz
  2. Anastasia Yarbrough, eine Präsentation die sie bei der Sistah Vegan Conference 2013 hielt über kritisches Weißsein und Tierbefreiung
  3. Kim Socha: Die „gefürchteten Vergleiche“ und der Speziesismus: Eine Ausgleichung der Leidenshierarchie über die Problematik der Vergleiche zwischen: Holocaust, Sklaverei, Zoozid
  4. pattrice jones: Intersektionalität und Tiere, eine gute Einleitung in die intersektionale Praxis in den Tierrechten/der Tierbefreiung.

Umweltschutz und Tierrechte/Tierbefreiung

  1. Vasile Stanescu: Das „Judas-Schwein“: Wie wir „invasive Spezies“ unter der Vorgabe des „Naturschutzes“ töten
  2. Anthony J. Nocella II: Eine Konfliktanalyse innerhalb der Umwelt- und der Tierrechtsbewegung: Reflektionen über die Allianzenpolitik in der Praxis

Wie wir unsere Beziehung zu den anderen-als-menschlichen Tieren grundsätzlich bilden

  1. Richard Ryder: Darwinismus, Altruismus und Schmerzfähigkeit
  2. Jim Sinclair: Wenn du etwas liebst, tötest du es nicht
  3. Lori Gruen: Sollten Tiere Rechte haben?

Kreativität und affirmative Tierethik

A. Marie Houser: Literaturkörper: Erzählliteratur ist Aktivismus

Veganer Konsumerismus und Tierrechte/Tierbefreiung

Sich vegan engagieren. In Richtung Marktwirtschaft oder Ethik?